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Wie errechnet eine Bank die Höhe der Kreditzinsen?

Der Kreditzinssatz einer Bank setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen:

1. Der Einstandssatz

2. Die administrativen Kosten des Kredites

3. Die Risikokosten


4. Die Eigenkapitalkosten


Der Kreditzins errechnet sich dann aus dem Einstandssatz zuzüglich einer Marge, die die Kosten für Verwaltung, Risiko und Eigenkapital decken muss.


Zur Beispielrechnung


1. Der Einstandssatz

Er entspricht dem "Einkaufspreis", den die Bank zahlen muss für das Geld, das sie verleiht. Denn eine Bank verleiht ja nicht ihr eigenes Geld, sondern ebenfalls "geliehenes" - und dafür muss sie ebenfalls Zinsen zahlen.
Diesen "Preis" kann man im Wirtschaftsteil einer Tageszeitung unter "Interbankensätze" oder "Refinanzierungssätze" finden. Er richtet sich nach der Laufzeit, zu der die Bank das Geld am Markt aufnimmt.

Die Zinssätze für kurze Laufzeiten bis zu 12 Monanten (EURIBOR) werden in erster Linie bestimmt durch die Referenzzinssätze der Europäischen Zentralbank, die in regelmäßigen Abständen diese Zinssätze festlegt. Dabei steht die Sicherung der Währung im Vordergrund.

Der EURIBOR schwankt auf dem Niveau dieser Referenzzinssätze. Diese Schwankungen werden vom Markt, also Angebot und Nachfrage bestimmt: herrscht hohe Kreditnachfrage, so steigt auch der EURIBOR.

Die Zinssätze für lange Laufzeiten werden vom Markt bestimmt. Dieser wird repräsentiert durch langlaufende festverzinsliche Wertpapiere wie z.B. Bundesobligationen und Pfandbriefe von Hypothekenbanken (Umlaufrendite).


2. Die administrativen Kosten des Kredites

Die Verwaltung eines Kredites kostet Geld: Kredite müssen regelmäßig überwacht werden; Bonitätsprüfungen und das Rating werden aktualisiert. Gesetzliche Vorschriften verpflichten die Bank zu regelmäßigen Berichten und Bewertungen ihrer Bestandskredite. Und vieles mehr.

Diese Kosten müssen durch die Kreditzinsen verdient werden.

Auch die allgemeinen Kosten der Bank, die nicht in ursächlichem Zusammenhang mit dem Kredit stehen (wie z.B. die gesamte Verwaltung, Personalabteilung, Raumkosten...) müssen durch die Erlöse aus dem Kreditgeschäft anteilig gedeckt werden.


3. Die Risikokosten

Nicht jeder Kredit wird (vollständig) zurückgezahlt. Die dadurch für die Bank entstehenden Verluste müssen von den Kreditzinsen der anderen Kredite gedeckt werden.

Kredite werden dazu mit Hilfe des Ratings entsprechend ihrer Ausfall- wahrscheinlichkeit in Risikoklassen eingeteilt. Je schlechter die Risikoklasse, desto höher die Ausfallwahrscheinlichkeit, desto höher die Risikokosten - und desto teurer der entsprechende Kredit.

Ein gutes Rating verbessert die Risikoklassifizierung und senkt damit direkt die Zinskosten für das Unternehmen. Deshalb ist Bank-Relationship-Management so wichtig.


4. Die Eigenkapitalkosten

Die Eigenkapitalgeber der Bank (Aktionäre, Gesellschafter) haben Anspruch auf eine Verzinsung ihres Kapitals. Sonst investieren sie nicht in diese Bank - die Bank würde aufhören, zu existieren.

Für einen Kredit muss die Bank Eigenkapital einsetzen. Die Verzinsung dieses Kapitals muss aus den Kreditzinsen erfolgen. Die Höhe des Eigenkapitaleinsatzes der Bank ist abhängig von der Risikoklassifizierung des Kredites, so dass auch hier gilt: Ein gutes Rating senkt direkt die Kosten für die Kapitalverzinsung und damit die Zinskosten für das Unternehmen. Deshalb ist Bank-Relationship-Management so wichtig.

Die Höhe der Eigenkapitalverzinsung resultiert aus dem eigenen Anspruch, den die Bank bzw. deren Kapitalgeber stellt. Die deutschen Banken sind von ihrem Ziel, eine Eigenkapitalrendite von 15% zu erreichen, noch weit entfernt. Im internationalen Vergleich liegen sie deutlich unter Durchschnitt.

In der gegenwärtigen Situation kann kaum eine deutsche Bank eine attraktive Kapitalverzinsung erwirtschaften.


Beispielrechnung

Prämissen:

Kreditvolumen
100.000 --
Einstandssatz
2,5%
Ausfallwahrscheinlichkeit
0,9%
Kosten-/Ertragsrelation*
60%
angestrebte Kapitalrendite
15%
Kapitalunterlegung**
8%
angenommene Marge
2,0%
angenommener Zinssatz für Kunden
4,5%

* Gibt an, wieviel Kosten zur Erzielung eines Ertrages entstehen. In diesem Beispiel entstehen 60 Cent Kosten, um 1 € Ertrag zu erzielen. In Deutschland liegt diese Quote bei vielen Banken momentan über 80%, also schlechter als in unserem Beispiel.

**Dies ist der gesetzlich vorgeschriebene Mindest-Eigenkapitaleinsatz, den eine Bank bei Kreditvergabe leisten muss. Basel II bestimmt diesen Eigenkapitaleinsatz in Abhängigkeit von der Risikoklassifizierung (s. Risikokosten).



Die Bank muss also, um einen Kredit 100.000 zu vergeben, 92.000,-- selber leihen, 8.000,-- kommen aus dem Eigenkapital. Die aufgenommenen Mittel müssen mit 2,5% verzinst werden, das Eigenkapital mit 15%.

Die Marge wird mit 60% Kosten belastet.


Rechnung:

Zinseinnahmen (4,5% auf 100.000,--)
4.500,-- 
Zinsaufwand der Bank (2,5% auf 92.000,--)
2.300,--
Znsertrag
2.200,--
dieser Zinsertrag muss bezahlen:  
Kapitalkosten (15% auf 8.000,--)
1.200,-- 
Risikokosten (0,9% Ausfallwahrscheinlichkeit)
900,-- 
Verwaltungskosten (60% von 2.200,--)
1.320,-- 
 
3.420,-- 
Fehlbetrag (2.200,-- abzügl. 3.420,--) 1.220,--



Bei dieser Beispielrechnung wird deutlich, dass die Bank bei einer Marge von etwa 2% zwar ihre Kosten decken kann, aber keine Kapitalrendite erwirtschaftet: Der Fehlbetrag entspricht der gewünschten Eigenkapital- verzinsung. Um diese zu erreichen, muss die Bank die Marge deutlich erhöhen.

Die angenommene Marge liegt in der Größenordnung des bisher von den Banken bei mittelständischen Krediten berechneten Aufschlags. Da die Banken bei dieser Preisgestaltung am Kredit nichts verdienen, wird die Konsequenz sein, dass Kredite teurer werden müssen. Oder die Banken bieten das Produkt "Kredit" nicht mehr an.

Die Kapital- und Risikokosten werden erheblich vom Ratingergebnis beeinflusst. Daher ist ein gutes Rating so wichtig, um die Kreditkosten auch in Zukunft nicht zu verteuern.


Lesen Sie mehr dazu:
Wie sieht Ihr Ratingergebnis aus?
Was ist ein Rating?
Was braucht eine Bank für ihr Rating?
Basel II - was ist das eigentlich?
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