Liebe Freunde und Partner der Kokedera,
überall liest man von Bankenkrise, Weltwirtschaftskrise,
Finanzkrise, Autokrise, ...krise, ...krise, ...krise. Dazu brauche
ich nicht auch noch etwas zu schreiben.
Ich möchte Ihnen gern berichten, welche Auswirkungen dieser
viel beschworenen Krisen ich in meiner täglichen Arbeit beobachtet
habe. Und da fällt mir als wichtigstes Stichwort der Begriff
"Kreditklemme" ein.
Kreditklemme - was ist
das?
Wenn es bei der Kreditversorgung
"klemmt": Unternehmen haben Schwierigkeiten, Kredite
für erforderliche Investitionen zu bekommen; Wachstum kann
nicht mehr finanziert werden; die liquiden Mittel für Betriebsmittel
fehlen. Kredit = Liquidität ist der Motor unserer Wirtschaft.
Klemmt es damit, fängt der Motor an zu stottern, wird langsamer,
bleibt stehen...
Klemmt es im Moment bei
den Krediten?
Dazu gibt es unterschiedliche
Antworten. Das Münchner Ifo-Institut z.B. gibt gleich zwei
Antworten: "Ja"
am 30.12.2008 und "Nein"
Ende Januar 2009 ... Ah ja! Eine Umfrage unter Banken in Deutschland
ergibt folgendes Ergebnis:

Meine Erfahrung in der täglichen Arbeit ist: Es ist sehr
viel schwieriger geworden, neue Kredite zu bekommen und bestehende
Kredite zu behalten. Es "klemmt" schon gewaltig, aber
es geht noch was.
Warum klemmt es derzeit bei den
Krediten?
Ja, klar: wegen der Bankenkrise. Aber was genau passiert da eigentlich
- bzw. passiert nicht?
Banken tun ja letztlich nichts anderes, als Geld einzusammeln
und es dann wieder zu investieren.
"Einsammeln" bedeutet: Spareinlagen, Termingelder, Giroguthaben
usw. von Privatleuten und Unternehmen zu sammeln. Aber eben auch,
und das in ganz erheblichem Umfang: von anderen Banken.
"Investieren" bedeutet: das eingesammelte Geld Anderen
zu geben, als Kredit an Unternehmen und Privatleute, als Beteiligungen
z.B. in Aktien, als Kredit an andere Banken. Oder eben auch als
Kauf von Krediten, die andere Banken oder Institutionen vergeben
haben.
Aber für diese "Investitionen" brauchen auch Banken
eigenes Geld, wie es der private Häuslebauer ja auch nachweisen
muss, wenn er einen Hauskredit erhalten will. Dieser Eigenmittelanteil,
den die Banken selber liefern müssen, ist vom Gesetz vorgeschrieben
("Basel II"). Bei Krediten liegt er, je nach Bonität
des Kreditnehmers zwischen 8% und 12%.
Will eine Bank also einen Kredit geben, setzt sie dafür etwa
90% "eingesammeltes" Geld (=Fremdkapital) und 10% eigenes
Geld (=Eigenkapital) ein. Und hier klemmt es jetzt!
Seit mit "Lehmann-Brothers" eine der großen Banken
der Welt untergegangen ist, geben sich die Banken untereinander
kein Geld mehr. Sie haben ganz einfach Angst, dass die andere
Bank bankrott gehen könnte und das Geld dann weg ist. Auch
private Anleger trauen den Banken nicht mehr: sie behalten ihr
Geld "unter dem Kopfkissen", geben es einfach aus oder
kaufen Gold davon. Aber sie tragen es nicht mehr in dem Umfang
zu den Banken wie noch vor wenigen Monaten. Das heißt aber,
dass die Banken im Moment nicht mehr so viel Geld "einsammeln"
können wie früher - und damit auch nicht mehr so viel
investieren können, z.B. in Kredit.
Um diese Liquiditätskrise zu lösen, haben die Staaten
viele Instrumente und Hilfen eingesetzt: Sie geben Bürgschaften
für Banken (verbürgen sich also, dass die Banken ihre
Gelder zurück zahlen) und sie garantieren Guthaben ("Die
Spareinlagen sind sicher"). Damit soll erreicht werden, dass
man Banken wieder Geld gibt/leiht. Und die Staaten geben sogar
selber direkt Geld an die Banken. Die EZB hat die Zinsen auf ein
historisches Tief gesenkt. Also: Eigentlich gibt es für die
Banken genügend Geld zum "Einsammeln" - und billig
ist es auch noch!
Trotzdem: es klemmt bei den Krediten! Weil diese Maßnahmen
ausschließlich die Fremdkapitalsituation klären können.
Die zweite Säule der Bankenfinanzierung, das Eigenkapital,
wird damit nicht unterstützt.
Die Eigenkapitalproblematik.
Die Banken haben
auf Grund der Finanzkrise in den letzten Monaten viel Eigenkapital
verloren. Damit ist automatisch der Spielraum kleiner geworden,
um Kredite zu vergeben. Denn diese müssen ja mit mindestens
8% Eigenkapital unterlegt werden.
Aber dies ist nur ein Aspekt: die Banken fürchten, und das
mit einiger Berechtigung, dass ihr ohnehin schon geringeres Eigenkapital
in 2009 für andere Dinge benötigt wird als für
Kreditausleihungen. Sparkassen z.B. werden damit Verluste ihrer
Landesbanken ausgleichen müssen. Die Deutsche Bank hat noch
Abschreibungsbedarf in Milliardenhöhe in der Bilanz. Und
alle Banken fürchten in 2009 höhere Verluste bei den
Krediten wegen steigender Insolvenzzahlen.
Deswegen sind sie zur Zeit nur ungern bereit, knappes und teures
Eigenkapital für Kredite einzusetzen. Eine solche restriktive
Kreditpolitik wird die ohnehin schon angeschlagene Wirtschaftslage
weiter schwächen => die Insolvenzen werden zunehmen =>
die Verluste aus Krediten werden steigen => die Banken werden
noch restriktiver Kredite vergeben => die ohnehin schon angeschlagene
Wirtschaftslage wird noch schwächer => die Insolvenzen
werden zunehmen => usw. usf.
Durch ihre restriktive Kreditvergabe führen die Banken also
die Situation, die sie als Grund für die Kreditrestriktion
angeben, erst herbei! Ein sich selbst beschleunigender Prozess
mit bösem Ausgang.
Wie kann dieser Teufelskreis
durchbrochen werden?
Indem jetzt auch
Maßnahmen zur Stützung der Eigenkapitalsituation ergriffen
werden. Der Staat beteiligt sich durch Anteilskäufe direkt
an Banken bis hin zur Beherrschung ("Verstaatlichung").
Eine solche Beteiligung verschafft nicht nur frisches Geld, sondern
erhöht auch das Eigenkapital.
Bilanzierungsrichtlinien werden gelockert, um so den Abschreibungsbedarf
in den Bankenbilanzen zu reduzieren.
Ob´s hilft? Warten wir´s ab!
Was können Sie tun,
um der Kreditklemme zu entkommen?
Kredit kostet zur Zeit mehr Geld, mehr Zeit, mehr Arbeit.
Mehr Geld, weil Kredit knapper ist. Weil Kredit aus Sicht der
Banken "riskanter" wird. Weil die Kunden die höheren
Zinsen zu zahlen bereit sind.
Mehr Zeit, weil es mit einem Gespräch nicht
mehr getan ist. Weil der Informationsbedarf der Banken gestiegen
ist. Weil es schwieriger geworden ist, Kredit zu erhalten.
Mehr Arbeit, weil mehr und bessere Informationen geliefert werden
müssen. Weil die Aufbereitung aufwendiger wird. Weil häufiger
und intensiver berichtet werden muss.
Investieren Sie mehr Geld, Zeit und Arbeit in Ihre Bankverbindung.
Ausreichend Kredite sind für Ihr Unternehmen überlebenswichtig.
Informieren Sie Ihre Bank offen, regelmäßig und zeitnah.
Schaffen Sie Vertrauen - auf beiden Seiten, in beide Richtungen.
Die Bank muss überzeugt sein, dass sie mit Ihrem Kredit nicht
nur jetzt, sondern auch in Zukunft Geld verdienen - und nicht
verlieren - wird.
Lassen Sie sich helfen. Ihr Banker lebt in einer anderen Welt
und spricht eine andere Sprache als Sie. Nutzen Sie den Rat von
Profis
für Bankenkommunikation.
Fazit.
Es klemmt momentan,
auch bei Krediten. Und wo es klemmt, braucht man mehr Kraft als
sonst, damit sich was bewegt. Aber ein bisschen was geht immer.
Und oft schafft man es auch nicht allein.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie die gegenwärtige Zeit nicht
nur als Krise, sondern auch als Chance und Herausforderung erleben.
Damit das Jahr 2009 ein gutes Jahr wird!
Schöne Grüße
Ihr Johannes Bantzer