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Basel III: Höhere Eigenkapitalanforderungen an Banken

Unter der Bezeichnung „Basel III“ sind neue Richtlinien für Banken beschlossen worden, die die Kreditinstitute resistenter gegen Risiken aus ihrem Geschäft machen sollen. Ausführlich dargestellt sind diese Beschlüsse hier. Kurz gesagt geht es um eine höhere Eigenkapitalquote und die Beachtung von Liquiditätsgrundsätzen.

Den Banken wird jetzt damit etwas auferlegt, was sie von ihren Kreditkunden schon immer fordern – und zwar mit Recht:

genügend Eigenkapital als „Speck für schlechte Zeiten“ und die Beachtung der „Goldenen Bilanzregel“, also eine fristenkongruente Finanzierung ihrer Vermögenswerte.

Die jetzigen Regularien sehen vor, dass zukünftig, nach einer langen Übergangszeit, Banken 6% – 8%  (je nach Betrachtungsweise und Interpretation) ihrer Bilanzsumme als „hartes“ Eigenkapital halten müssen. 6% – 8%! Doch so viel! Mit einem solchen Wert würde kaum ein Mittelständler das Ratingverfahren bestehen und kaum einen ungesicherten Kredit bekommen…

Die Liquiditätsvorschriften besagen nichts anderes, als dass langfristige Ausleihungen auch langfristig refinanziert werden müssen. Eine Banalität aus dem ersten Berufsschuljahr, nach der sich im Grunde jede Hausfrau richtet. Die HRE hat es jahrelang nicht getan und ist darüber kaputt gegangen.

Es wird also zukünftig ein höheres Eigenkapital als „Risikopuffer“ gefordert – eigentlich eine Selbstverständlichkeit für eine Branche, deren Geschäftszweck der Handel mit Risiken ist. Und es wird gefordert, dass eine Bank jederzeit liquide genug ist, ihre Verbindlichkeiten bezahlen zu können – für mich auch kein übertriebener Anspruch an ein Kreditinstitut.

Erstaunlich an Basel III ist für mich, dass es diese einfachen  und selbstverständlichen Grundsätze einer kaufmännischen Sorgfalt den Banken vorschreiben muss – und diese darüber auch noch jammern. Sollte dies meinen seit langem gehegten Verdacht bestätigen, dass Banken gar nicht kaufmännisch handeln (können oder wollen)?

Basel III will also die Risiken des Bankgeschäftes verringern und erreichen, dass, wenn sie eintreten, eine Bank sie selber tragen kann – und nicht auf Unterstützung durch die Allgemeinheit angewiesen ist. Den Preis dafür werden zunächst die Bankkunden zahlen müssen: Kredite werden vermutlich knapper und sicher teurer. Knapper deshalb, weil pro Euro Eigenkapital weniger Kredit vergeben werden darf als in der Vergangenheit. Und teurer deshalb, weil die höhere Eigenkapitalunterlegung mehr Geld kostet. Die ohnehin schon latente Gefahr einer Kreditklemme steigt – voraussichtlich zu Lasten des Mittelstands, der mit schwächeren Ratingergebnissen zu kämpfen hat als die „Großen“. Dies kann wehtun.

Aber letztlich ist dies der Preis für eine langfristig stabilere und verlässlichere Kreditversorgung. Und für ein hoffentlich stabileres Finanzsystem (obwohl Basel III dazu bei weitem nicht ausreichen dürfte). Darüber zu klagen, ist legitim. Aber es ist vergleichbar mit der Klage darüber, dass Autos teurer werden, weil sie Airbags, ABS und Knautschzone haben müssen. Auch wenn der einzelne – unfallfreie – Fahrer davon vermeintlich nichts hat, so erhöht es die allgemeine Sicherheit im Straßenverkehr und reduziert die volkswirtschaftlichen Schäden.

Ohne die Beschlüsse von Basel III im Einzelnen bewerten zu wollen, halte ich daher die Absicht, Kreditinstitute zu riskobewussterem Handeln zu zwingen, für richtig.

Für den Unternehmer bedeutet dies, sich zukünftig noch intensiver auf das Bankgespräch und das Ratingverfahren vorbereiten zu müssen. Denn eine gute Ratingnote bedeutet nicht nur eine starke Kreditbasis, sondern auch ein starkes Unternehmen.

2 Kommentare

  1. Klaus B. Bartels sagt:

    Welche Positionen der Bilanz einer Genossenschaftsbank gelten nach Basel III als Eigenkapitel? (Einlagen, Gesetzliche Rücklagen, freie Rücklagen, Rückstellungen für allgemeine Bankrisiken) – und die Haftsummen?
    Danke.
    MfG
    KBB

    • Johannes sagt:

      Für die konkrete Eigenkapitaldefinition bei den jeweiligen Bankengruppen empfehle ich eine Recherche auf folgenden Seiten: bei der ZEB, der BIZ direkt oder beim BVR und hier.

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