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Lösungen sind schwierig – Rezepte sind einfach. Aber: Rezepte sind keine Lösungen

Osram entlässt 7.800 Beschäftigte – erstmal. Eine zweite Entlassungswelle wird folgen. So sagt es der Vorstandsvorsitzende von Osram, Wolfgang Dehen. Er gesteht auch ein, von der Entwicklung auf dem Lichtmarkt überrascht worden zu sein.

So schreibt es die SZ am 29.07.2014.

Da hat also ein Vorstandsvorsitzender sich geirrt, seinen Markt falsch eingeschätzt und in Folge dessen die falschen Produkte herstellen lassen. Kurz: einen Fehler begangen. Okay, kann passieren – irren ist menschlich, auch bei Vorstandsvorsitzenden.

Aber: wer muss die Folgen dieses Fehler ausbaden? Mindestens 7.800 Mitarbeiter. Und nicht der hoch bezahlte Manager. Werden die hohen Gehälter nicht immer damit gerechtfertigt, dass die Unternehmensführer ja auch eine Menge Verantwortung übernehmen müssten? Sollte die Verantwortung von Wolfgang Dehen nicht darin bestehen, seinen Job an jemand anderen zu übergeben, der es besser kann?

Nun, man kann natürlich sagen: Gebt ihm doch die Chance, den Fehler wieder auszubügeln. Aber tut er das, indem er 7.800 Menschen auf die Straße setzt? Er revidiert damit doch nicht seinen Fehler, sondern mindert (?) nur dessen Folgen, indem er dem Umsatzrückgang und eingebrochenen Gewinn eine Kostenreduzierung entgegensetzt. Aber er hat damit nicht eine einzige Glühbirne zusätzlich verkauft. Und wird es auch in Zukunft nicht tun. Das aber ist das Problem von Osram!

Mit Personalentlassungen werden zwar Kosten reduziert, aber auch Potenziale aufgegeben. Es ist dies ein Rezept, kurzfristig die Ertragslage zu verbessern, langfristig jedoch werden die Perspektiven verschlechtert. Und: dieses Rezept kann nicht ewig eingesetzt werden: Irgendwann gibt es schließlich keine Mitarbeiter mehr, die entlassen werden könnten…

Wenn nicht gleichzeitig auch eine neue Produkt- und Marktstrategie entwickelt und umgesetzt wird, sind Personalentlassungen nichts anderes als der Einstieg in die schleichende Liquidation eines Unternehmens.

Aber es ist ein beliebtes und oft eingesetztes „Patent“-Rezept. Es ist zwar arbeitsaufwendig umzusetzen, aber einfach. Eine Lösung zu finden, die wirklich nützt, ist jedoch schwierig und bedarf viel Nachdenkens. Z.B. neue Produkte zu entwickeln, den Marktzugang zu überdenken, Forschung und Entwicklung auszubauen und zu fokussieren usw. – sich „einfach“ mal Gedanken zu machen, wie die 7.800 Mitarbeiter, die scheinbar nichts mehr zu tun haben sollen, wieder sinnvoll und profitabel beschäftigt werden können, kurz: ihnen Arbeit zu beschaffen. Diese Mühen überlässt man jetzt lieber dem Staat. Denn Mühen scheuen auch Manager – wenn es den vermeintlich leichteren Weg gibt.

Der Weg „Personalentlassungen“ aber ist eine Sackgasse. Er führt nicht zum Erfolg. Das Senken von Kosten verzögert nur den Prozess des „Arm-Werdens“, verlängert die Sackgasse. „Reich“ wird ein Unternehmen nur durch zusätzliche Umsätze.

Das gilt nicht nur für Osram!

Und überhaupt: Im Managersprech werden die beschäftigten Menschen als „Humankapital“ bezeichnet, also als ein „Vermögenswert“. Warum es dann dem Börsenkurs gut tun soll, wenn man sich mutwillig von diesem Vermögen trennt, bleibt mir ein Rätsel.

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