Kokedera im Internet

    Twitter TwitterFacebook FacebookSlideShare SlideShareXing Xing

    Rufen Sie doch mal an:

    +49/385/589 33 715

Meister Mehl braucht Geld (2)

Auf dem Internetportal der „ABZ Allgemeine Bäckerzeitung“ wurde jetzt der zweite Teil meiner Artikelserie zum Thema „Liquidität und Finanzierung“ online gestellt. Leider nicht in voller Länge. Meine Manuskriptversion in Gänze kann hier gelesen werden:

Meister Mehl braucht Geld (2)

Meisterbäcker Martin Mehl braucht eine neue Brötchenstraße. Er hat jahrelang in Filialen investiert und ist stark gewachsen. Die alte Brötchenstraße ist jetzt zu klein und zudem reparaturanfällig geworden. Doch trotz guter Gewinne hat Mehl nicht genug Geld auf dem Konto: seine Liquidität wurde für die Tilgungen der Kredite für die Filialen verwendet und in die Altersvorsorge gesteckt. „Also brauchte ich eine externe Finanzierung“, erinnert sich Mehl.

Ein Angebot für die Anlage über 150.000 Euro lag ihm vor. „Da habe ich erstmal geschluckt“, so Mehl, „ich hatte ja kaum Eigenkapital“. Sein Steuerberater erklärt ihm, dass er einen Investitionsabzugsbetrag ausnutzen kann, der in der Bilanz gebildet wurde. „Die Steuererstattung daraus betrug etwa 30.000 Euro: das konnte mein Eigenanteil an der Finanzierung werden“, freut sich Mehl.

Aber wie sollte die Finanzierung eigentlich aussehen? Die Bank hatte ihr vorläufiges „Okay“ gegeben. Der Hersteller der Brötchenanlage hatte einen Leasingvertrag angeboten. Sogar sein Lieferant war zur Finanzierung bereit, wenn er die Anlage über ihn kauft.

„Alle Vorschläge hatten ihre Vor- und Nachteile“, weiß Mehl. „Es war eine schwierige Entscheidung.“ Denn neben dem Einfluss auf die zukünftige Liquidität gab es auch steuerliche Aspekte und die Auswirkungen auf das Rating zu beachten. Gerade das Rating wird oft übersehen. Das kann sich dann bei neuen Krediten rächen, da die Ratingnote großen Einfluss auf die Konditionen und Besicherung von Krediten hat. „Also schaute ich mir die Finanzierungsangebote unter diesen drei Gesichtspunkten genau an“, erklärt Mehl.

Bei dem Vorschlag der Bank gefiel ihm, dass dies eine sehr schnelle und unkomplizierte Lösung ist. „Die Bank kennt mich seit vielen Jahren und weiß, wie erfolgreich ich bin“, bestätigt er. Außerdem konnte die Bank die Tilgungen in der Zukunft liquiditätsschonend an seine Möglichkeiten anpassen. Ein auslaufender Kredit und eine fällige Lebensversicherung im Folgejahr geben Mehl dann größere Spielräume zur Rückzahlung. Die Bank baute daher in die Darlehensmodalitäten ein tilgungsfreies Jahr ein. Dadurch wird sich die monatliche Belastung insgesamt nur wenig erhöhen und trotzdem regelmäßig getilgt. Für die Bankfinanzierung sprach auch, dass er sofort Eigentümer der Anlage wird und so seinen Investitionsabzugsbetrag steuerlich nutzen konnte. „Dass ich 20% Eigenkapital einsetzen musste, hat mich natürlich gestört“, betont Mehl, „aber die bekam ich ja über die Steuererstattung zurück.“ Aber die Bilanzierung der Anlage und der Finanzierung hat Nachteile beim Rating: die Erhöhung der Bilanzsumme verringert die Eigenkapitalquote und steigert die Verschuldungsintensität. Beides verschlechtert der Ratingnote. Bei der Verschuldungsintensität wird die Gesamtverschuldung in Relation zum Gewinn gesetzt: man ermittelt, wie lange der Unternehmer benötigt, um mit seinem Gewinn seine gesamte Verschuldung zurückzuzahlen. Dieser Zeitraum verlängert sich jetzt. Ebenfalls gestört hat Mehl, dass seine Abhängigkeit von der Bank weiter steigt. Auch wird sein dortiges Kreditvolumen einen Betrag erreichen, der es der Bank zukünftig schwer macht, ihm weitere Kredite zu geben, z.B. für die weitere Expansion. Und: die Bank hat die Anlage nur bis zur Hälfte des Kaufpreises als Sicherheit akzeptiert. Mehl musste also zusätzliche Sicherheiten stellen. „Die Bank hat dann alles von mir und wenn sie irgendwann nicht mehr will, bin ich aufgeschmissen“, sorgt er sich.

Das Leasingangebot des Herstellers klang attraktiv: Eigen­kapital – und damit Abfluss der ohnehin schon knappen Liquidität – wurde nicht gefordert. Auch das Finanzierungskontingent bei der Bank wird nicht belastet und die Bilanz geschont. „Das war natürlich gut für das Rating“, betont Mehl. „Und eine zusätzliche Sicherheit wollten sie auch nicht.“ Dem Hersteller war die Maschine Sicherheit genug; er weiß ja, was sie wirklich wert ist. Aber darin liegt auch ein möglicher Nachteil: klappt es mal nicht pünktlich mit der Zahlung der Leasingraten, verwerten Leasinggeber in aller Regel sehr schnell: sie legen die Anlage still oder holen sie einfach wieder ab. Mehl könnte dann nicht mehr produzieren und müsste schließen. Auch die Leasingraten sind häufig sehr hoch, da sie den Wertverlust der Maschine und die Kosten des Leasinggebers enthalten. Die Liquidität in der Zukunft wird also stärker belastet. Außerdem konnte der Investitionsabzugsbetrag nicht steuerlich genutzt werden, da die Anlage beim Leasing nicht bilanziert wird. „Und eine weitere Investition, um den IAB doch noch zu nutzen, konnte ich mir nicht leisten“, bedauert Mehl.

Bei einer Finanzierung über den Lieferanten ergeben sich die gleichen negativen Auswirkungen auf Bilanz und Rating wie beim Bankkredit. „Aber die Zinsen waren niedriger als bei der Bank“, wundert sich Mehl: Der Lieferant erzielt eine bessere Ratingbewertung als Mehl und erhält daher bei seiner Bank bessere Konditionen. Die kann er an seine Kunden weitergeben. Mehl partizipiert so also an dem besseren Rating seines Lieferanten. „Aber die Laufzeit war kürzer als bei der Bank und ich musste deshalb eine höhere Rate zahlen“, klagt Mehl. „Außerdem hätte ich dann nicht über den Preis verhandeln können“.

Mehl hat sich schließlich für eine Finanzierung über seine Bank entschieden. Mit seinem Finanzberater hat er ein Finanzierungskonzept entwickelt, bei dem öffentliche Fördermittel eingesetzt werden, die die Nachteile einer Bankfinanzierung abschwächen: Er kann seine Zinsen reduzieren, und über die Haftungsfreistellung wird sein Finanzierungskontingent nur wenig zusätzlich belastet. Weitere Sicherheiten werden dadurch überflüssig. „So bin ich perfekt vorbereitet in die Verhandlungen mit der Bank gegangen“, freut sich Mehl. Darüber berichtet er das nächste Mal.

Teil 3 folgt.

Praxistipps:

– Lassen Sie sich mehrere Finanzierungsangebote geben.

– Fragen Sie auch Lieferanten oder Hersteller von Anlagen.

– Bewerten Sie die Vorschläge nicht nur nach der Höhe der Zinsen oder der Sicherheiten. Denken Sie auch an Ihr Rating und Ihre aktuelle und zukünftige Bankbeziehung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*