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Meister Mehl braucht Geld (3)

Die ABZ – Allgemeine Bäckerzeitung hat jetzt den dritten Teil meiner Artikelserie „Meister Mehl braucht Geld“ veröffentlich. Leider nicht online, so dass ich den Artikel hier als PDF-Dokument zur Verfügung stelle.

Die Manuskriptversion nachstehend:

Meister Mehl braucht Geld (3)

Die alte Brötchenanlage von Meister Martin Mehl tut´s nicht mehr. Nachdem er alle Angebote geprüft hat, hat er sich entschieden, die Finanzierung von der Hausbank übernehmen zu lassen. „Die Bank hatte zwar schon gesagt, dass sie den Kredit geben würde. Ich wollte aber auch möglichst gute Konditionen erhalten“, erzählt Mehl.

Um bei den Verhandlungen mit der Bank möglichst viel Erfolg zu erzielen, müssen sie sorgfältig vorbereitet werden. Dazu gehört es nicht nur, alle Unterlagen zum Kredit und zum Unternehmen bereit zu halten, sondern auch, die eigenen Wünsche und Vorstellungen zur Gestaltung der Kredite zu formulieren. Denn nur, wenn die Bank weiß, was ihr Kunde will und braucht, kann sie ihn auch richtig beraten: je besser alle Unterlagen aufbereitet sind, desto leichter fällt es dem Bankbetreuer, seinen Kunden zu unterstützen.

Natürlich muss ein solches Finanzierungskonzept realistisch sein. Was für die Bank möglich ist – und zu welchem Preis – entscheidet wesentlich das Ergebnis des internen Bewertungsverfahrens, des Ratings. Seit einigen Jahren gibt es hierfür Richtlinien („Basel II“), die solche Ratingverfahren – und die Auswirkungen des Ratingergebnisses – für alle Kreditinstitute einheitlich regeln. Es ist also wichtig, dass man seine eigene Ratingnote kennt und weiß, wie sie zustande gekommen ist. „Zuerst wollte die Bank mit dem Ratingergebnis nicht rausrücken“, erinnert sich Mehl. „Doch nachdem ich darauf bestanden habe, haben wir ein sehr aufschlussreiches Ratinggespräch geführt“. Obwohl Mehl ein nicht mal schlechtes Ratingergebnis im „Mittelfeld“ erzielte, offenbarte ihm seine Bank, dass dies statistisch bedeute, dass seine GmbH innerhalb der nächsten 10 Jahre mit einer fast 10%igen Wahrscheinlichkeit insolvent werde. „Und so lange sollte ja der Kredit laufen. Kein Wunder, dass die Bank sich da unwohl fühlte,“ zeigte Mehl Verständnis. „Und ich mich erst!“

Beim Ratingverfahren wird an Hand statistischer Verfahren ermittelt, mit welcher Wahrscheinlichkeit das geratete Unternehmen innerhalb einer bestimmten Zeitspanne in der Zukunft zahlungsunfähig wird. Dieses rechnerische Risiko wird die Bank entweder durch Sicherheiten mindern oder sich durch entsprechend hohe Zinsen bezahlen lassen wollen. Jede kleine Verbesserung der Ratingnote kann daher bares Geld wert sein.

Mehl entschied sich deshalb, ein Ratingverfahren zu simulieren: „So konnte ich erkennen, welche Schwächen und welche Stärken – aus Banksicht – mein Betrieb hat.“ Denn bei einem Rating geht es nicht nur um die Zahlen der Bilanz (quantitatives Rating), sondern auch um qualitative Faktoren: Strategie, Besonderheiten der Produkte, Analyse der Kunden, Wettbewerber, Mitarbeiter, Qualifikation und persönliche Situation von Meister Mehl… und… und… und. „Ich habe ja gar nicht geahnt, was eine Bank alles über mich und meine Firma wissen muss,“ wundert Mehl sich noch heute. „Und vor allem: wie haben die alle diese Fragen bisher beantwortet? Mich haben die das jedenfalls noch nie gefragt.“

Wichtig ist also, alle für das Rating relevanten Informationen an die Bank zu liefern, sonst besteht die Gefahr, dass die Bank falsche Annahmen im Rating trifft und damit die Ratingnote verfälscht wird – und das wohl eher zu Lasten des Kunden. Die Ratingsimulation liefert daher nicht nur einen Anhaltspunkt für die voraussichtliche Ratingnote, sondern auch gleich eine schriftliche Unternehmens­darstellung in bankgerechter Aufbereitung. So ist auch gesichert, dass Informationen auf dem „Dienstweg“ in der Bank nicht verloren gehen oder neu interpretiert werden.

„Ich kannte jetzt meine Schwachpunkte und meine Stärken“ freut sich Mehl. Einige dieser Schwachpunkte konnte er ohne großen Aufwand schnell ausmerzen: „Hätte ich schon früher gewusst, wie einfach diese Aktionen waren, und welche Wirkung sie haben, hätte ich das schon längst gemacht.“

Die erst langfristig wirksamen Maßnahmen zur Ratingverbesserung konnte er einleiten oder mit seinem Betriebsberater besprechen. Damit wird sich sein Ratingergebnis zukünftig weiter verbessern. „Die Gedanken, die ich mir während der Ratingsimulation über meinen Betrieb gemacht habe, haben auch mir weitergeholfen. Die Verbesserung des Ratingergebnisses bewirkt ja eine Stärkung meiner GmbH. Ich fühle mich jetzt wesentlich besser gerüstet für die Zukunft!“, resümiert Mehl.

Jetzt konnte er im Finanzierungskonzept seine Stärken betonen und die Maßnahmen nennen, die er zur Minderung seiner Schwächen ergreift. Allein dadurch verbessert sich die Beurteilung seiner Managementfähigkeiten und damit auch die Ratingnote. Die Bereitschaft der Bank, Kredit zu geben, steigt und die Konditionen verbessern sich.

In seinem Finanzierungskonzept hat Mehl auch seine Vorstellungen hinsichtlich Art und Höhe der Kredite, Tilgung, Zinshöhe und –festschreibung sowie Besicherung genannt. „Es ist wie bei einem Wunschzettel zu Weihnachten“ zieht Mehl einen Vergleich: „Man bekommt zwar nicht alles, was darauf steht, aber es wird über alles nachgedacht.“ Mit einem Finanzierungskonzept kann die Richtung, in die die Bank denken wird, beeinflusst werden, z.B. Einbindung von Fördermitteln.

Mit der Unternehmensdarstellung und dem Finanzierungskonzept war ein erster wichtiger Schritt getan. Die Bank wird aber die Angaben und Informationen darin prüfen und ein eigenes Ratingverfahren durchführen wollen. Welche Unterlagen Mehl dafür zusammengestellt hat, um seine Angaben zu untermauern, berichtet er das nächste Mal.

Praxistipps:

– Lassen Sie sich von Ihrer Bank Hinweise geben, wie Sie Ihr Ratingergebnis verbessern können. Eine gute Bank tut das, da auch sie daran interessiert ist.

– Noch besser: Simulieren Sie ein Ratingverfahren und entdecken Sie kritische Schwachpunkte, bevor es die Bank tut.

– Formulieren Sie regelmäßig eine schriftliche Unternehmensdarstellung, damit die Bank immer auf dem neuesten Stand ist.

– Formulieren Sie Ihre Vorstellungen hinsichtlich der Gestaltung der Kredite in einem Finanzierungskonzept.

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