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Meister Mehl braucht Geld (1)

Für die „Allgemeine Bäckerzeitung“ habe ich eine kleine Artikelserie geschrieben, die sich um das Thema „Liquidität und Finanzierung“ dreht. Leider veröffentlicht die „ABZ“ die Serie nur in ihrer Printausgabe, nicht jedoch auf ihrer Website. Eine „Hardcopy“ des ersten Artikels als PDF-Datei gibt es hier: Mehl braucht Geld -Teil 1. Oder als meine Manuskrikptversion:

Meister Mehl braucht Geld

Bäckermeister Mehl ist erfolgreich. Er trifft den Geschmack seiner Kunden, weil er mit hohen Qualitätsstandards produziert. Auf den Preiskampf mit Super­märkten und Backdiscountern hat er sich nie eingelassen. Trotzdem verkauft er immer mehr seiner Produkte, weil, so Mehl: „Sich Qualität auszahlt und die Kunden merken, dass ich ihnen schmackhafte Produkte für einen fairen Preis biete“. Die Anzahl seiner Filialen wächst stetig und seine Lieferkunden bestellen auch immer mehr.

Vor einiger Zeit hat er für seine „Meisterbäckerei Mehl & More“ eine Software angeschafft, die ihm die Steuerung seines Unternehmens erleichtert. Er kann damit die Wirtschaftlichkeit seiner einzelnen Filialen erkennen und effiziente Maßnahmen einleiten. Er produziert und verkauft seine Produkte gezielter. Und damit bleibt unterm Strich mehr für ihn übrig.

Er kann eine verlässliche Planung aufstellen. Er reagiert schneller, wenn mal etwas schief läuft, weil er vorher sieht, was seine Aktivitäten hinterher bringen werden. „Seither weiß ich, wo ich Geld verliere und wo ich es verdiene. Das hilft mir enorm. Und meine Bank freut sich auch.“

Mit der Bank hat Mehl deshalb keine Probleme. Er ist erfolgreich und hält sie regelmäßig über seine Pläne und Ergebnisse auf dem Laufenden. Das schafft Vertrauen. Vertrauen, das sich auszahlte, als es um die Finanzierung der neuen Filialen ging. Mehl hat der Bank alle Zahlen liefern können, die sie brauchte. So konnte sie erkennen, dass er mit seinen Plänen ausreichend verdienen wird, um die Kredite zurückzuzahlen.

Aber bei den Investitionen in sein Wachstum blieb kein Geld für die Erneuerung seiner Maschinen. „Wir haben unsere Gewinne immer gleich in neue Filialen gesteckt“, erklärt Mehl. „Damit konnten wir unseren Umsatz ausweiten und haben auch neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Bank hat uns auch dazu geraten. Und die alten Öfen taten es ja noch.“

Doch jetzt hat Mehl ein Problem: Seine Brötchenstraße ist reparaturanfällig geworden. Immer wieder fällt sie aus und Mehl muss viel Zeit für die Reparatur aufbringen: „Weder ich noch meine Maschine produzieren dann. Das kann ich mir nicht leisten!“ Die Neuanschaffung einer Brötchenanlage steht an.

„Ich habe immer einen schönen Gewinn gemacht. Also dachte ich, so eine Maschine kann ich mir schnell mal kaufen“, war Mehl überzeugt. „Zur Not könnte mir ja auch die Bank helfen.“

Doch als die ersten Angebote auf dem Tisch lagen, wurde schnell klar: Mehl hatte nicht genug Geld, obwohl er nach den betriebswirtschaftlichen Auswertungen (BWA) des Steuerberaters in dem Jahr schon über 60.000 Euro Gewinn gemacht hatte. „Damit wollte ich die Anzahlung bezahlen“, so Mehl. „Doch das Bankkonto war leer. Der Gewinn war weg.“

Mehl findet sein Geld wieder: Nach langen Stunden mit dem Taschenrechner erkennt er, dass die BWA des Steuerbüros viele Belastungen von seinem Konto gar nicht enthält. „Auf Kontoauszügen fand ich die Abbuchungen von Kredittilgungen und Lebensversicherungsbeiträgen“, wundert er sich. „Aber in den BWA habe ich diese Beträge nicht gefunden.“

Kann er auch nicht: Sie werden in der BWA nicht aufgeführt. Sie ermittelt den betrieblichen Gewinn, der aus dem rein operativen Geschäft entsteht. Bei der „Meisterbäckerei Mehl & More“ werden dazu alle Einnahmen aus dem Verkauf der Back- und Handelswaren denjenigen Ausgaben gegenübergestellt, die zur Produktion und zum Verkauf erforderlich sind. Dazu gehören zuallererst die Kosten für die Backzutaten, die Energie der Öfen, die Löhne der Mitarbeiter in Bäckerei und Verkauf, Mieten, Benzin für die Fahrzeuge usw. Der Überschuss der Einnahmen über diese Ausgaben ist der betriebliche Gewinn.

Dieser Gewinn steht dem Unternehmer aber nicht zur freien Verfügung. Denn daraus müssen die Tilgungen für die Bankkredite oder laufende Investitionen in z.B. Maschinen oder Büroeinrichtung bezahlt werden. Bei Personen­gesellschaften sind davon auch die Steuern und die private Alters­vorsorge zu leisten. Diese Ausgaben sind in der BWA aber nicht enthalten!

Erst der Rest bleibt dem Unternehmer für die privaten Entnahmen für seine Lebensführung übrig.

Das Geld, das Mehl aus seinem Gewinn zugeflossen war, wurde für Tilgungen der Investitionskredite (neue Filialen) gebraucht. Die Bank hat sie regelmäßig abgebucht. Außerdem hat Mehl zwei neue Kassensysteme einrichten müssen. Das Geld fehlt jetzt auf dem Konto. „Diese Geldabflüsse tauchten aber in der BWA nicht auf. Da habe ich zum ersten Mal den Unterschied zwischen Gewinn und Liquidität gelernt“, erinnert sich Mehl.

Liquidität sind die flüssigen Mittel, mit denen die Bäckerei alle ihre Ausgaben bezahlen muss – auch wenn sie nicht in der BWA stehen. Liquidität ist wie das Benzin für das Auto: Ist der Tank leer, läuft auch der beste Motor nicht. Ist das Bankkonto leer, läuft auch der beste Betrieb nicht mehr. Meisterbäcker Mehl fehlt die nötige Liquidität, um eine neue Brötchenanlage zu kaufen – und das gefährdet seine Produktion und damit seine Existenz.

„Ich habe immer nur auf den Gewinn geachtet. Jetzt habe ich erfahren, dass eine Liquiditätsplanung mindestens genauso wichtig ist“, hat Mehl erkannt.

Er hat mit seiner Bank gesprochen und durch eine intelligente Umfinanzierung die Raten für die Kredite reduzieren können. Mit seinem Versicherungsmakler hat er seine Lebensversicherungen neu geordnet. Dies alles vermindert die laufende Belastung seiner Liquidität. Aber er braucht auch neue Liquidität für die Brötchenstraße – und die kann nur von außen in Form einer Finanzierung kommen.

Teil 2 folgt

Praxistipps:

Verlassen Sie sich nicht nur auf die Ergebnisrechnung der BWA, planen Sie auch Ihre Liquidität. Besprechen Sie diese Zahlen ruhig mit Ihrer Bank. Greifen Sie auf Software zurück, die Ihnen dabei hilft.

Reden Sie mit Ihrer Bank, ob eine Umfinanzierung möglich ist, die Ihre laufende Belastung reduziert. Ein unabhängiger Berater kann Ihnen dabei helfen.

Denken Sie bei  Investitionen  auch ruhig einmal über Leasingfinanzierungen nach.

Prüfen Sie, ob Sie Ausgaben, die nicht in der BWA erscheinen, verringern können, z.B. durch Wechsel oder Neuordnung von Versicherungen im privaten Bereich.

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