Kokedera im Internet

    Twitter TwitterFacebook FacebookSlideShare SlideShareXing Xing

    Rufen Sie doch mal an:

    +49/385/589 33 715

Währungskredite – nur für Zocker und Spekulanten!

Aus gegebenem Anlass: Wer einen Kredit in Fremdwährung aufnimmt, ohne ein Grundgeschäft in der entsprechenden Währung zu haben, handelt wie ein Zocker und Spekulant!

Seit langer Zeit geistern sie immer wieder durch die Welt der Finanzierungen: Kredite in Schweizer Franken (oder Yen), um Finanzierungsbedarf in Euro zu decken. Und diese Angebote richten sich nicht nur an Kaufleute und Unternehmer, sondern auch an Privatleute, um z.B. den Erwerb des Eigenheims zu finanzieren. Das dabei immer wieder vorgebrachte Argument: Die Zinsen sind so extrem billig, da spart man richtig viel Geld! Meistens für die nächsten 10 Jahre schon gleich mal hochgerechnet… Ach, und das Währungsrisiko? Kein Problem: Die Finanzierung läuft auf 3-Monatsbasis, da kann man jederzeit schnell wieder raus!

Meine dringende Empfehlung: Finger weg!

Warum? Der Zinsvorteil, der im Übrigen momentan gar nicht so groß ist, wird mit vielen Risiken erkauft, die für einen „normalen“ Nicht-Banker kaum zu managen sind:

1. Das Währungsrisiko

Ein Kredit auf Basis des Schweizer Franken wurde immer auch mit dem Argument verkauft: „Der Franken schwankt gegenüber dem Euro kaum, in der Vergangenheit nur so um 10%“. Nur? 10% bei € 100.000 sind schon „nur“ € 10.000. Dafür muss man schon ganz schön lange Zinsen gespart haben…

Und: was in der Vergangenheit galt, muss für die Zukunft schon lange nicht gelten: momentan schwankt der Franken um über 30% zum Euro, Franken-Kredite sind mal eben „über Nacht“ richtig viel teurer geworden. Und wer traut sich eigentlich zu, die nächsten 10 Jahre zu prognostizieren? Auf diesen Zeitraum werden aber gerne die Zinssparpotenziale errechnet…

„Ja“, ist jetzt die Antwort: „aber wegen der kurzen Bindung auf drei Monate kann man ja jederzeit wieder in den Euro zurück, wenn es gegen einen läuft“. Tja, theoretisch schon. Praktisch hält sich der Franken leider weder an eine Drei-Monats-Frist noch an den Termin, zu dem der Kredit gerade mal wieder verlängert wird. Wie man aktuell leidvoll erfahren kann.

Und überhaupt: Wer wechselt denn schon gleich wieder in den Euro zurück, wenn es nach zwei „guten“ Jahren mal für ein oder zwei 3-Monats-Perioden gegen einen gelaufen ist? „Wird schon wieder“, „bin ja noch im Plus“, „auf lange Sicht gleicht sich das wieder aus…“: das sind die Sätze, die man dann hört. Bis es zu spät ist. Naja, das richtige Timing ist halt die größte Kunst beim Spekulieren.

2. Das Zinsänderungsrisiko

Um die Möglichkeit zu bieten, „jederzeit“ wieder in den Euro zurück zu können, werden die Kredite ja immer nur für drei Monate neu eingebucht. Das heißt aber auch: Alle drei Monate werden die Zinsen neu vereinbart. In der Höhe, in der sie dann gerade marktüblich sind. Sie können also durchaus steigen – und damit den Zinsvorteil verzehren, den sie gegenüber dem 10-Jahres-Eurozins zu Anfang hatten. Auch hier gilt: Wer traut sich schon, die Zinsentwicklung der nächsten 10 Jahre zu prognostizieren?

3. Keine Tilgung

Viele dieser Kredite werden ohne regelmäßige Tilgung vereinbart. Das heißt: Man zahlt für die gesamte Laufzeit Zinsen auf den vollen Betrag! Und am Ende der Laufzeit dann den Gesamtbetrag in einer Summe. Wehe, wenn dann der Franken gerade an dem Tag einen starken Tag gegenüber dem Euro hat.

4. Nachbesicherung

Die Bank hat das Recht, eine nachträgliche zusätzliche Sicherheit zu verlangen, wenn die ursprünglich gegebene Sicherheit nicht mehr ausreicht. Üblicherweise schützt sich die Bank damit vor einem Wertverfall einer Sicherheit, z.B. bei einem Depot.

Im Falle eines Frankenkredites jedoch schützt sie sich damit vor dem Anstieg des Kreditgegenwertes. Wie das gemeint ist? Beispiel: Ein Kredit über € 100.000 wurde Anfang des Jahres 2011 in Franken aufgenommen; Gegenwert rd. 125.000 Franken; Sicherheit: 100.000 Euro. So steht der Kredit in den Büchern: „Max Mustermann schuldet Bank 125.000 Franken und hat als Sicherheit 100.000 Euro gegeben“. Am 15.08. schaut die Bank in ihre Bücher und stellt fest: „Hoppla, die 125.000 Franken sind ja plötzlich 113.000 Euro wert, also 13.000 mehr, als wir Sicherheit haben“. Also erhält Herr Mustermann eine anfänglich freundliche, später bestimmtere Aufforderung, bitte doch neue Sicherheiten in Höhe von etwa 20.000 Euro zu stellen. Warum denn gleich 20.000? Die Unterdeckung beträgt doch nur 13.000. „Tja,“ sagt die Bank, „wir müssen ja auch das zukünftige Kursänderungsrisiko mit abdecken.“ Und das darf sie auch laut AGB und gängiger Rechtssprechung.

Und was passiert jetzt, wenn Herr Mustermann keine zusätzliche Sicherheit über 20.000 Euro mehr hat? Dann darf die Bank den Kredit zurück in den Euro drehen, um das Risiko zu begrenzen. Und das heißt nichts anderes, als dass der Kredit dann in den Euro zurück gedreht wird, wenn es vom Timing her nun wirklich nicht passt. Dann werden nämlich die rechnerischen Buchverluste zu tatsächlichen.

So was gibt es nicht? Oh, doch. Gerade wieder ist einer meiner Kunden in dieser Situation. Dort werden wir sie lösen können – aber ich habe auch schon Unternehmen erlebt, die an einem solchen Kredit insolvent wurden, damals an den so beliebten Yen-Krediten.

Deshalb: wer Wert auf windige Prognosen und schlaflose Nächte legt, sollte ins Casino gehen. Dort macht es auch mehr Spaß!

Ein Kommentar

  1. Johannes sagt:

    Immer noch schon wieder brandaktuell: Dieser Blogpost vom August 2011. Und es trifft mal wieder deutsche Kommunen, deren Kämmerer offensichtlich noch immer nichts gelernt haben. Wie oft müssen die noch auf die Nase fallen, bis sie die Finger von Zins- und Währungsspekulationen lassen?

    http://www.rp-online.de/wirtschaft/finanzen/franken-freigabe-schweizer-crash-kostet-nrw-staedte-400-millionen-aid-1.4805985

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*